Rückblick auf das Festival „Literatur Jetzt!“ im Jahr 2015

„Neue Welten“ lautete das Motto, unter dem vom 15. bis zum 20. September 2015 zum 7. Mal „Literatur Jetzt!“, das „Festival zeitgenössischer Literatur“ in Dresden stattfand. Es widmete sich in diesem Jahr jenen Autorinnen und Autoren, die über den Tellerrand von Heimat und Gegenwart blicken – in kommende Zeiten, utopische Welten oder zu entdeckende Regionen der Erde. Über 20 Künstler waren an den 8 Lesungen des Festivals beteiligt, die im Lipsius-Bau, dem Deutschen Hygiene-Museum, der scheune, dem Zentralwerk und dem Kunsthaus Dresden stattfanden. Über 900 Zuschauer besuchten insgesamt die Veranstaltungen. Noch nie war alle Lesungen gleichmäßig so gut besucht, noch nie das Festival in der Presse so präsent, sodass man ohne Weiteres von der bislang erfolgreichsten Ausgabe des Festivals „Literatur Jetzt!“ sprechen kann.

Organisiert wurde das Literaturfest wieder vom livelyriX e.V. in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern. Förderer waren erneut die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landeshauptstadt Dresden und der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank. Die Programmgestaltung und Organisation lag in den Händen von Michael Bittner (Autor), Leif Greinus (Verlag Voland & Quist), Ludwig Henne (Kulturmanager), Helge Pfannenschmidt (Verlag edition AZUR) und Volker Sielaff (Autor). Die Pressearbeit übernahm Juliane Hanka. Der Festivalfotograf war Peter R. Fischer. Als Praktikantin wirkte Svenja Macht mit.

Das Festival wurde eröffnet am 15. September in der Kunsthalle im Lipsius-Bau der Staatlichen Kunstsammlungen durch eine Lesung von Nino Haratischwili, die ihren Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ präsentierte. Mit knapp 100 Zuschauern war die Lesung restlos ausverkauft. Moderiert wurde der Abend von Sonja Vandenrath, im Hauptberuf als Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt tätig. Im Gespräch mit der Autorin fragte sie u.a. nach persönlichen Hintergründen und Motiven für die Entstehung des Romans sowie nach dem Verhältnis von Fiktion, Geschichte und Realität. Haratischwili las danach eine Passage aus ihrem Buch, in der eine der Heldinnen auf den russischen Geheimdienstchef Lawrenti Beria trifft, der im Roman als „Kleiner Großer Mann“auftritt. Am Ende der knapp zweistündigen Lesung wurde die Fragerunde zum Publikum hin geöffnet, und es gab für die zahlreichen Leser und Leserinnen die Möglichkeit, sich den Roman von der Autorin signieren zu lassen. Ein gelungener Auftakt des Festivals an einem besonders schönen Ort.

Am 16. September fanden gleich zwei Veranstaltungen statt: In der mit weit über 200 Fans gefüllten scheune las der weltbekannte DJ Westbam aus seinem autobiografischen Buch „Die Macht der Nacht“, in dem er sein Leben seit den Anfängen von Techno und House in Deutschland in den 1980er Jahren bis heute beschreibt. Westbam erzählt die Geschichte von einer schlecht gemischten Mixkassette, die er für die erste Love Parade produzierte und die eher wenig gut bei den rund 80 Ravern ankam und von einem Rotterdamer Club, in dem er und sein Bruder von der DJ-Kanzel geführt werden mussten, da der Drogenrausch außer Kontrolle geriet. Auch eine skurrile Geschichte aus Dresden mit einem Hausschwein im Club war dabei. Dazwischen immer wieder Gedanken über die Idee von Techno und das Ziel, eine andere Gesellschaft mit Beats und Hi-Hats zu schaffen – ob dies gelungen ist, ließ Westbam offen. Nicht nur für Techno-Fans war die Abend unterhaltsam, auch weil Westbam ein klug und differenziert beschreibender Zeitzeuge der Clubkultur der letzten drei Jahrzehnte ist.

Derweil stellte ebenfalls am 16. September im mit weit mehr als 100 Gästen restlos ausverkauften Vorlesungssaal im Deutschen Hygiene-Museum Iris Radisch ihre Biografie „Camus. Das Ideal der Einfachheit“ dar. Die Autorin riss mit ihrer Begeisterung für den französischen Philosophen und Schriftsteller das Publikum mit, verschwieg aber auch nicht die problematischen Seiten seines Werkes, etwa sein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Besonderes Augenmerk legte Iris Radisch in ihrer Diskussion mit dem Moderator, dem Dresdner Schriftsteller Marcel Beyer, auf den Zwiespalt zwischen ärmlicher Herkunft und intellektuellem Erfolg bei Camus. Das „mittelmeerische Denken“ der Einfachheit zeigte sich als lebenslange Vision des Autors, aber auch als Denkanstoß für eine alternative Ökonomie in der Gegenwart.

Am 17. September lud das Festival zur „Nacht der Lesebühnen“ wie in jedem Jahr Vertreter der komischen und satirischen Literatur ein. Vor etwa 150 begeisterten Zuschauern in der scheune lasen vier Vertreter verschiedener deutscher Lesebühnen. Paul Bokowski führte das Publikum mit auf abenteuerliche Reisen mit seinen Eltern. Volker Strübing widmete sich unter anderem dem Wandel unseres Lebens durch die moderne Technik. Kirsten Fuchs las neben anderen Geschichten auch einen Auszug aus ihrem aktuellen Roman „Mädchenmeute“, der Mädchen in ein geheimnisvolles Land namens Erzgebirge führt. Roman Israel ließ in seinen Geschichten mit groteskem Humor kulturelle Welten kollidieren, so etwa eine ostdeutsche Provinzfamilie mit chinesischer Küche und den tschechischen Nachbarn.

Am 18. September war erstmals das Zentralwerk Ort des Geschehens, ein höchst interessanter Ort in Pieschen, wo gerade eine ehemalige Fabrik in genossenschaftlicher Arbeit zum Platz für Kultur und Wohnen umgebaut wird. Der historische Ballsaal bot einen hervorragenden Raum für die lyrisch-musikalische Performance unter dem Titel „Lyrik ist Happening“, die von der Erfinderin dieses Poetry Jams, der Musikerin Anne Munka, dirigiert wurde. Gemeinsam mit weiteren Musikern gestalteten das Programm der Dichter Andre Rudolph mit Texten aus seinem Band „Blicktot, Nixe (Klaffende Tags)“ sowie die Poetin Rike Scheffler, die nicht nur las, sondern auch selbst musikalische „Looppoems“ präsentierte. Im Zusammenspiel von Dichtung und Musik an so ungewöhnlichem Ort ergaben sich wahrlich magische Augenblicke, welche die über 50 Zuhörer ganz in ihren Bann zogen.

Am 19. September fanden, wiederum im Zentralwerk, gleich zwei Lesungen statt, die zusammen über 100 Gäste anlockten. Zunächst las die Leipziger Autorin und Übersetzerin Heike Geißler aus ihrem viel diskutierten Buch „Saisonarbeit“, in dem sie auf sehr persönliche, zugleich literarisch anspruchsvolle Weise von ihrer Beschäftigung bei Amazon erzählte. Im Gespräch mit Moderator Helge Pfannenschmidt plädierte sie für das Recht auf „Empfindlichkeit“, gegen ein fatalistisches Kapitulieren vor dem Stumpfsinn und der Entsolidarisierung in der modernen Arbeitswelt. Die zweite Lesung des Abends bestritt Anke Stelling mit ihrem für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman „Bodentiefe Fenster“. Erkennbar gespeist durch eigene Erfahrungen berichtete Anke Stelling von dem Leben in einem Gemeinschaftswohnprojekt mit seinen ermüdenden Diskussionsritualen, seiner Konfliktscheu und Verlogenheit. Moderator Matthias Teiting fragte im Gespräch besonders nach dem persönlichen Konflikt der Autorin, die zugleich Bewohnerin und literarische Analytikerin eines solchen Wohnprojekts ist.

Das Festival endete am 20. September auf abenteuerliche Weise im Kunsthaus Dresden. Der Philosoph Helge Meves stellte sein Buch „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ vor, in dem er erstmals in deutscher Sprache die Geschichte dieser demokratischen Seeräuberrepublik zugänglich machte, die Daniel Defoe zugeschrieben wird. Helge Meves las wichtige Passagen aus dem Buch, erzählte aber auch anschauliche Anekdoten aus dem Leben der Piraten des 17. und 18. Jahrhunderts. Mit dem Moderator Michael Bittner und dem Publikum diskutierte der Autor über die utopische Qualität des Berichtes und die ökonomischen und politischen Hintergründe der Piraterie. Dabei eröffneten sich zugleich Durchblicke auf die nicht minder durch Menschenhandel, Krieg und rücksichtslose Handelspolitik bestimmte Gegenwart. Zugleich wurde aber auch die kritische Kraft utopischen Denkens und Schreibens erkennbar, womit das Motto des diesjährigen Festivals einmal mehr mit Leben erfüllt wurde.

Dienstag, 15. September: Nino Haratischwili liest aus „Das achte Leben“

Haratischwili © Danny Merz_Sollsuchstelle_Die aus Georgien stammende, auf Deutsch schreibende Autorin Nino Haratischwili präsentiert zur Eröffnung des Festivals „Literatur Jetzt!“ am Dienstag (15. September) ihren historischen Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“. Es ist ein Epos mit klassischer Wucht und großer Welthaltigkeit, ein mitreißender Familienroman, der mit hoher Emotionalität über die Spanne des 20. Jahrhunderts bildhaft und eindringlich, dabei zärtlich und fantasievoll acht außergewöhnliche Schicksale in die georgisch-russischen Kriegs- und Revolutionswirren einbindet. Die Autorin liest und spricht über ihr Buch mit Sonja Vandenrath.

Georgien, 1900: Mit der Geburt Stasias, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten, beginnt dieses berauschende Opus über sechs Generationen. Stasia wächst in der wohlhabenden Oberschicht auf und heiratet jung den Weißgardisten Simon Jaschi, der am Vorabend der Oktoberrevolution nach Petrograd versetzt wird, weit weg von seiner Frau. Als Stalin an die Macht kommt, sucht Stasia mit ihren beiden Kindern Kitty und Kostja in Tbilissi Schutz bei ihrer Schwester Christine, die bekannt ist für ihre atemberaubende Schönheit. Doch als der Geheimdienstler Lawrenti Beria auf sie aufmerksam wird, hat das fatale Folgen … Deutschland, 2006: Nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der UdSSR herrscht in Georgien Bürgerkrieg. Niza, Stasias hochintelligente Urenkelin, hat mit ihrer Familie gebrochen und ist nach Berlin ausgewandert. Als ihre zwölfjährige Nichte Brilka nach einer Reise in den Westen nicht mehr nach Tbilissi zurückkehren möchte, spürt Niza sie auf. Ihr wird sie die ganze Geschichte erzählen: von Stasia, die still den Zeiten trotzt, von Christine, die für ihre Schönheit einen hohen Preis zahlt, von Kitty, der alles genommen wird und die doch in London eine Stimme findet, von Kostja, der den Verlockungen der Macht verfällt und die Geschicke seiner Familie lenkt, von Kostjas rebellischer Tochter Elene und deren Töchtern Daria und Niza und von der Heißen Schokolade nach der Geheimrezeptur des Schokoladenfabrikanten, die für sechs Generationen Rettung und Unglück zugleich bereithält.

Pressestimmen: „Mit ihrer Familiensaga entzückt Nino Haratischwili nicht nur Kritiker, sondern auch Historiker, weil sie so akribisch recherchiert und so packend erzählt.“ (Max Moor in ARD – Titel, Thesen, Temperamente); „Nino Haratischwili hat die europäische Geschichte als Familiengeschichte neu erzählt.“ (Volker Weidermann, FAZ)

Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) | 15. September | Dienstag | 20 Uhr | Lipsius-Bau der SKD (Brühlsche Terrasse) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/5 Euro

Foto: © Danny Merz Sollsuchstelle

Mittwoch, 16. September: Westbam liest aus „Die Macht der Nacht“

Westbam_c_Andrea+Stappert_smallWestbam, einer der bekanntesten DJs der Welt, präsentiert seine Autobiografie „Die Macht der Nacht“ mit den letzten Wahrheiten über House, Techno und den ganzen Wahnsinn der Szene. Die Nächte beginnen oft im Morgengrauen – mitten in der Pampa am anderen Ende der Welt oder in einem Club einer angesagten Metropole. Gefeiert und getanzt wird tagelang, das ganze Leben ist eine endlose Party: laute Musik, viel Alkohol, Drogen und Sex. Mittendrin DJ Number One, Westbam, Partymacher und Philosoph der Dance-Kultur, Herrscher an den Turntables. Hier erzählt er erstmals seine verrücktesten Geschichten: wie alles begann nach der Wende in Berlin, von wilden After-Hour-Gigs im Rheinland, von Raves auf der Rennstrecke in Sao Paulo oder in Bogota vor dem Cali-Kartell. Von verpeilten Veranstaltern, verrückten Groupies und größenwahnsinnigen Szenegestalten. Ein Sittengemälde des Nachtlebens vom Ende der Achtziger bis heute.

Westbam: Die Macht der Nacht | 16. September | Mittwoch | 20 Uhr | scheune (Alaunstraße 36-40) | Vorverkauf: 12/8 Euro, Abendkasse 15/10 Euro

Foto: Andrea Stappert

Mittwoch, 16. September: Iris Radisch präsentiert ihre Biografie „Camus. Das Ideal der Einfachheit“

Am Mittwoch (16. September) präsentiert Iris Radisch, die Literaturredakteurin der Wochenzeitung DIE ZEIT, ihre Biografie „Das Ideal der Einfachheit“ über Albert Camus. Das Buch ist vielleicht die beste, auf jeden Fall die persönlichste Biografie des französischen Schriftstellers und Philosophen: Kunstvoll komponiert wie ein kubistisches Bild, voller Empathie geschrieben, jedoch ohne das Leben des großen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers zu verklären, umreißt Iris Radisch in einer wunderbaren Sprache die Lebensgeschichte des „Philosophen des Absurden“.

Radisch Camus CoverZum diesjährigen Motto „Neue Welten“ des Festivals „Literatur Jetzt!“ passt bestens das „mittelmeerische Denken“ von Camus, welches die einfachen und unmittelbaren Freuden dem Prinzip Befriedigungsaufschub, das die westliche Welt in Gang hält, gegenüberstellt. Geschicklichkeit, Schlauheit, Berechnung und List stellten für dieses Denken Todsünden dar – der Mensch sollte vielmehr nach Unschuld, Naivität, Schlichtheit und Redlichkeit trachten. In Ideen wie jener einer „Mittelmeerunion“ des italienischen Philosophen Giorgio Agamben lebt diese vom „Ideal der Einfachheit“ geprägte Philosophie bis heute fort – und richtet sich nebenbei auch gegen die von Deutschland propagierte Austeritätspolitik gegenüber verschuldeten Ländern wie etwa Griechenland. Was würde Camus heute dazu sagen? Iris Radischs mit Temperament und Eleganz geschriebene Biographie zieht einen sofort in den Bann. Nach dem Krieg war Albert Camus einer der ersten entschiedenen Europäer ebenso wie ein Kritiker der Wachstumsideologie. Radischs Buch ist weit mehr als nur eine Biographie. Es taugt dazu, die Gegenwart an den gescheiterten Idealen des Dichters Camus zu messen.

Die Lesung ist eine Kooperation des Festivals „Literatur Jetzt!“ mit dem Deutschen Hygiene-Museum. Die Moderation des Abends übernimmt der Dresdner Schriftsteller Marcel Beyer.

Camus – Philosoph des Absurden. Iris Radisch über Leben und Werk von Albert Camus | 16. September | Mittwoch | 20 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum (Lingnerplatz 1) | Vorverkauf und Abendkasse: 9/5 Euro

Foto Iris Radisch: Rowohlt Verlag / Copyright Klaus Kallabis

Donnerstag, 17. September: Nacht der Lesebühnen mit Paul Bokowski, Kirsten Fuchs, Roman Israel und Volker Strübing

Zur „Nacht der Lesebühnen“ präsentiert das Festival „Literatur Jetzt!“ am Donnerstag (17. September) zum inzwischen siebten Mal vier herausragende Vertreter der komischen und satirischen Literatur. Passend zum diesjährigen Thema „Neue Welten“ werden sie diesmal in ihren Geschichten in fremde und fantastische Welten vorstoßen und sich den großen Fragen der Zukunft widmen – aber gewiss nicht ohne Witz und Ironie. Mit dabei sind eine Autorin und drei Autoren von verschiedenen deutschen Lesebühnen: Paul Bokowski, Kirsten Fuchs, Roman Israel und Volker Strübing.

Paul Bokowski liest bei den Berliner Lesebühnen „Brauseboys“ und „Fuchs & Söhne“. In seinen hochkomischen Geschichten erzählt er gerne aus dem Leben in Berlin, spürt aber auch seinen polnischen Wurzeln nach. Sein Buch „Hauptsache nichts mit Menschen“ wurde zum Bestseller, jüngst erschien seine neue Geschichtensammlung „Alleine ist man weniger zusammen“ bei Manhattan. Kirsten FuchsKirsten Fuchs war Autorin zahlreicher Berliner Lesebühnen, zurzeit leiht sie der Lesebühne „Fuchs & Söhne“ sogar ihren Namen. Mit ihren Geschichten und Romanen über die Wirrnisse des Alltags und der Leidenschaft hat sie eine große Fangemeinde gewonnen. Regelmäßig veröffentlicht sie zurzeit Texte in „Das Magazin“, ihr jüngster Roman „Mädchenmeute“ wurde auch von der Kritik sehr gelobt. Roman IsraelRoman Israel ist Gründungsmitglied der Dresdner Lesebühne „Sax Royal“, lebt inzwischen aber in Leipzig, wo er auch bei der „Lesebühne West“ liest. Seine Gedichte und Geschichten zeichnen sich durch genaue Beobachtung und abgründigen, grotesken Humor aus. Sein erster Roman „Caiman und Drache“ erschien 2014 und fand ein positives Echo. Struebing_Volker_c_Uwe_LehmannVolker Strübing aus Berlin war nicht nur lange Jahre Autor der Lesebühnen „LSD“ und „Chaussee der Enthusiasten“, sondern auch auf den Bühnen des Poetry Slam erfolgreich, wo er mehrere Meistertitel erringen konnte. Unter seinen zahlreichen Büchern befindet sich auch der komische Science-Fiction-Roman „Das Paradies am Rande der Stadt“.

Nacht der Lesebühnen: Paul Bokowski, Kirsten Fuchs, Roman Israel und Volker Strübing | 17. September | Donnerstag | 20 Uhr | scheune (Alaunstraße 36-40) | Vorverkauf: 7/5 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

Freitag, 18. September: Lyrik ist Happening mit Anne Munka, Andre Rudolph und Rike Scheffler

Anne Munka Christian DebusAndre RudolphIn der umtriebigen deutschen Lyrikszene gibt es seit einiger Zeit zwei neue Trends: die Wiederentdeckung der Performance und die Öffnung des Genres zur Musik. Das von der Leipziger Musikerin Anne Munka erdachte und in Dresden längst etablierte Format „Lyrik ist Happening“ ist ein schönes Beispiel für diese neuen poetischen Welten – und interpretiert die enge Verwandtschaft von Gedicht und Gesang auf ganz eigene Art und Weise.rike scheffler_by valerie schmidt

Bei der Spezialausgabe dieses Poetry Jams zum Festival „Literatur Jetzt“ am Freitag (18. September) gestalten die beiden Lyriker Andre Rudolph (Leipzig, luxbooks) und Rike Scheffler (Berlin, kookbooks) zusammen mit Anne Munka und den Klangkünstlern Clemens Litschko (Drums) und Robert Lucaciu (Bass) Gedichte zu Hör- und Schaustücken. Dabei beziehen sie auch die besondere Atmosphäre des Ortes und das Publikum mit ein. Statt der klassischen Lesung ist im Zentralwerk ein Format zu erleben, bei dem die Interaktion von Literatur und Musik sowie Künstlern und Zuhörern im Mittelpunkt steht.

Lyrik ist Happening. Poetry Jam mit Anne Munka, Andre Rudolph, Rike Scheffler  | 18. September | Freitag | 20 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

Foto Rike Scheffler: Valerie Schmidt

Sonnabend, 19. September: Heike Geißler liest aus „Saisonarbeit“

HeikeGeissler_2014Die Leipziger Schriftstellerin Heike Geißler präsentiert am Sonnabend (19. September) ihr Buch „Saisonarbeit“, einen literarischen Erlebnisbericht aus der schönen neuen Arbeitswelt.

Saisonkraft bei „Amazon“ – für die Autorin und Übersetzerin in Geldnot ist es ein Moment der Misere, für alle anderen ein literarischer Glücksfall. Denn was in den Wochen vor Weihnachten entsteht, ist vieles zugleich: Ein Erfahrungsbericht, der ebenso persönlich wie politisch ist. Kritik an den Verhältnissen mit den Mitteln der Selbstironie. Der Blick in eine Halle, die von der Außenwelt abgeschottet ist und gerade deshalb viel über sie verrät. In „Saisonarbeit“ geht es um Empfindlichkeit und das Politische des Empfindlichen. Es geht um die Arbeit bei „Amazon“ und darum, dass mit dieser Arbeit und vielen Sorten Arbeit grundsätzlich etwas faul ist. Nicht zuletzt auch um Bücher und was sie uns bedeuten können.

Pressestimmen: „Dieses Buch hat Kraft, es packt den Leser, denn es ist engagiert geschrieben, so engagiert wie lange keines mehr.“ (Rheinische Post); „Ein wichtiges Buch und ein im Innersten schönes.“ (Leipziger Volkszeitung)

Heike Geißler: Saisonarbeit | 19. September | Sonnabend | 19:30 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Anke Stelling: 10/6 Euro)

Sonnabend, 19. September: Anke Stelling liest aus „Bodentiefe Fenster“

nanediehl_ankestelling1Anke Stelling liest am Sonnabend (19. September) aus ihrem aktuellen Roman „Bodentiefe Fenster“ (Verbrecher Verlag), der für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert wurde.

Von den 68er-Müttern im Aufbruch hat eine Töchtergeneration den Auftrag erhalten, die Welt zu verbessern – das Waldsterben und die Aufrüstung zu stoppen, ein Zimmer für sich allein zu haben, gemeinsam stark zu sein –, und diesen Auftrag kann Sandra nicht vergessen. Mit vierzig Jahren und als Mutter zweier Kinder ist aus ihr eine Art Kassandra vom Prenzlauer Berg geworden. Sie sieht, dass die Ideale der Elterngeneration im Alltag verloren gehen, auf dem Spielplatz versanden, im Plenum der Hausgemeinschaft ad absurdum geführt werden. Alles auszusprechen, ist offenbar keine Lösung, weggehen kann sie jedoch auch nicht, außerdem genießt sie ihre Privilegien. Sie feiert die Kindergeburtstage wie früher, wie Pippi Langstrumpf, doch der Kern der Utopie ist nicht mehr da. Und die bodentiefen Fenster machen den Alltag allzu durchsichtig. Am Ende von Anke Stellings Roman, der in schöner Sprache Bitterböses erzählt, geht es ins Müttergenesungswerk: „Damit Mama wieder lacht.“ Bodentiefe Fenster – bodenlose Gegenwart. Die Lesung moderiert Matthias Teiting.

Pressestimmen: „Dank des unerbittlichen Blicks und trockenen Humors der Autorin hält der Roman wunderbar die Balance zwischen Erschrecken und Vergnügen. Gegenwartsliteratur im buchstäblichen und besten Sinn.“ (MDR Figaro); „Was Bodentiefe Fenster zu einem herausragenden Buch macht, ist die Weise, wie hier eine Erzählstimme versucht, zu einem anderen Sprechen und damit einer neuen Form von Identität und Gemeinschaft zu gelangen.“ (ZEIT Online)

Anke Stelling: Bodentiefe Fenster | 19. September | Sonnabend | 21 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Heike Geißler: 10/6 Euro)

Foto: Nane Diehl

Sonntag, 20. September: Daniel Defoe – „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ mit Helge Meves

Helge_MevesHelge Meves liest am Sonntag (20. September) im Kunsthaus Dresden (Rähnitzgasse 8) aus dem von ihm herausgegebenen Buch „Libertalia. Die utopische Piratenrepublik“ von Daniel Defoe und diskutiert über Piratenromantik und Piratenutopien mit Moderator Michael Bittner.

Jeder kennt die Welt der Piraten als abenteuerliches Universum aus Holzbein, Säbelkampf und Totenkopfflagge – verwegene Gestalten schillernd zwischen edlen Helden und brutalen Räubern. Doch nur wenige wissen, dass viele Seeräuber fortschrittliche Vorstellungen hatten. Diese spiegeln sich auch in Daniel Defoes 1728 erschienen Bericht über die Piratenrepublik „Libertalia“ auf Madagaskar wider. Libertalia_CoverDefoe schildert die Geschichte des abenteuerlustigen Edelmanns Misson aus Frankreich und des desillusionierten italienischen Priester Caraccioli, die mit dem englischen Piraten Tew eine auf Toleranz, gerechter Verteilung von Besitz und radikaler Demokratie beruhende Piratenbruderschaft gründen. Zusammen befreien sie Sklaven aus der Gefangenschaft und bauen sie sich mit Seeleuten, Madegassen und Migranten aus aller Welt eine alternative Gesellschaft inmitten der Zeit der Glaubenskriege, des grandiosen Beutekapitalismus, der sogenannten ursprünglichen Akkumulation – und weit hinausweisend über die Fortschritte, die mit der amerikanischen und französischen Revolution fast hundert Jahre später erreicht wurden.

Pressestimmen: „eine Kostbarkeit“ (Bayrischer Rundfunk), „Ein Buch wie eine Schatzkiste voll glänzender Perlen der Erkenntnis.“ (mare), „Eine wunderbare Ausgrabung, eine tolle Story, ein sehr gutes piratenkundiges Nachwort.“ (Hessischer Rundfunk)

Daniel Defoe: „Libertalia – die utopische Piratenrepublik“. Lesung und Gespräch mit Herausgeber Helge Meves | 20. September | Sonntag | 20 Uhr | Kunsthaus Dresden (Rähnitzgasse 8) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

„Literatur Jetzt!“ 2015 – das Programm im Überblick

„Literatur Jetzt!“, das Dresdner „Festival zeitgenössischer Literatur“ findet zum siebten Mal vom 15. bis 20. September 2015 statt. In diesem Jahr bietet es unter dem Titel „Neue Welten“ jenen Autorinnen und Autoren ein Forum, die über den Tellerrand von Heimat und Gegenwart blicken – in kommende Zeiten, fantastische Welten oder zu entdeckende Regionen der Erde. Zu Wort kommen sollen politische Schriftsteller, die nicht das Ende der Geschichte gekommen sehen, sondern Entwürfe einer besseren Gesellschaft wagen. Außerdem werden Poeten vorgestellt, die mit der Sprache selbst Experimente unternehmen und innovative Wege des Publizierens beschreiten. Schließlich widmet sich das Festival auch jenen Dichtern, die sich von ihrer Heimat verabschiedet haben, um in der Fremde ihren Traum eines besseren Lebens zu verwirklichen.

Hier eine Übersicht über alle Veranstaltungen – ausführliche Informationen finden Sie auf der Seite: Programm.

Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka) | 15. September | Dienstag | 20 Uhr | Lipsius-Bau der SKD (Brühlsche Terrasse) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/5 Euro

Camus – Philosoph des Absurden. Iris Radisch über Leben und Werk von Albert Camus | 16. September | Mittwoch | 20 Uhr | Deutsches Hygiene-Museum (Lingnerplatz 1) | Vorverkauf und Abendkasse: 9/5 Euro

Westbam: Die Macht der Nacht | 16. September | Mittwoch | 20 Uhr | scheune (Alaunstraße 36-40) | Vorverkauf: 12/8 Euro, Abendkasse 15/10 Euro

Nacht der Lesebühnen: Paul Bokowski, Kirsten Fuchs, Roman Israel und Volker Strübing | 17. September | Donnerstag | 20 Uhr | scheune (Alaunstraße 36-40) | Vorverkauf: 7/5 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

Lyrik ist Happening. Poetry Jam mit Anne Munka, Andre Rudolph, Rike Scheffler  | 18. September | Freitag | 20 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro

Heike Geißler: Saisonarbeit | 19. September | Sonnabend | 19:30 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Anke Stelling: 10/6 Euro)

Anke Stelling: Bodentiefe Fenster | 19. September | Sonnabend | 21 Uhr | Zentralwerk (Riesaer Str. 32) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro (Kombiticket mit Lesung von Heike Geißler: 10/6 Euro)

Daniel Defoe: „Libertalia – die utopische Piratenrepublik“. Lesung und Gespräch mit Herausgeber Helge Meves | 20. September | Sonntag | 20 Uhr | Kunsthaus Dresden (Rähnitzgasse 8) | Vorverkauf: 7/4 Euro, Abendkasse 8/6 Euro