Vom 23. bis zum 27. September 2026 wird im Zentralwerk die 18. Ausgabe unseres Dresdner Festivals Literatur JETZT! stattfinden. Auch in diesem Jahr werden wir euch wieder ein vielfältiges Programm aus Lesungen, Gesprächen, Workshops, Shows und Partys für Erwachsene, Jugendliche und Kinder bieten. Das komplette Programm veröffentlichen wir auf dieser Website im Juni.
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Schon vor unserem Festival organisieren wir auch 2026 einige Warm-up-Lesungen in Kooperation mit anderen Kulturinstitutionen in Dresden.
Am Freitag, den 6. März, könnt ihr in Kooperation mit unserem Festival und dem Festival frau*macht theater im Societaetstheater Lesung & Konzert „Nicht länger unsichtbar / Không còn vô hình nữa„ über viet-deutsche Perspektiven mit Hami Nguyen & Another Nguyen erleben. Hier gibt es Tickets im Vorverkauf.

Zwei Frauen mit vietnamesisch-deutscher Migrationsgeschichte und zufällig dem gleichen Nachnamen bringen in einer Lesung und einem Konzert ihre Kunst auf die Bühne. Beide haben vietnamesische Wurzeln. Beide sind als Kinder von Vertragsarbeiterinnen in ostdeutschen Kleinstädten aufgewachsen. Beide setzen sich in ihrer Kunst mit Fragen nach Identität und Zugehörigkeit und mit den Erfahrungen von Migration, Rassismus und kultureller Entfremdung auseinander – erzählend, reflektierend, klanglich und emotional. In ihrem 2023 erschienenen Buch »Das Ende der Unsichtbarkeit – Warum wir über anti-asiatischen Rassismus sprechen müssen« verhandelt Hami Nguyen die Themen Rassismus und Klasse am Beispiel ihrer eigenen Lebensgeschichte. Nach der Lesung ist Ngoc Anh Nguyen a.k.a Another Nguyen im Konzert zu erleben. Ihre Musik bringt Enttäuschungen und Schmerz zum Ausdruck, aber auch ihren Wunsch nach Verbindung und die Hoffnung eines späten Heimkehrens zu den eigenen Wurzeln. Gemeinsam öffnen Hami Nguyen und Ngoc Anh Nguyen einen Raum für die Geschichten vietnamesischer Migrantinnen und ihrer Nachkommen in Deutschland – Geschichten, die lange übersehen wurden.
Am Dienstag, den 31. März, präsentieren wir ebenfalls in Kooperation mit dem Festival frau*macht theater und mit sowie in dem Societaetstheater die Lesung aus dem neuen Roman „Zugwind“ von Iryna Fingerova. Hier gibt es Tickets im Vorverkauf.

Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben. Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie fest: Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen. Iryna Fingerova erzählt so bewegend wie authentisch von Miras Trauer, ihren Schuldgefühlen, ihrer Wut und Resignation, bis hin zu dem Versuch, das eigene Leben weiterzuleben, die Ereignisse zu akzeptieren und vielleicht persönlichen Frieden zu finden.
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Vom 24. bis zum 28. September 2025 besuchten insgesamt rund 2200 Gäste die über 20 Lesungen, Diskussionen und Shows mit fünfzig Mitwirkenden bei unserem Festival Literatur JETZT! im Zentralwerk in Dresden-Pieschen. Das 17. Festival zählt damit zu den erfolgreichsten Ausgaben von Literatur JETZT! Vielfältig, unterhaltsam und politisch zugleich präsentierte sich das größte Dresdner Literaturfestival im Jahr 2025.

Große Aufmerksamkeit fand die Eröffnung des Festivals im ausverkauften Henny-Brenner-Saal des Zentralwerks mit Jenny Erpenbeck. Ihr Vater John Erpenbeck hatte den gemeinsam geplanten Auftritt aus gesundheitlichen Gründen leider absagen müssen. Aber auch ohne ihn gab Jenny Erpenbeck im Gespräch mit Maike Albath faszinierende Einblicke in die Geschichte einer der prägendsten Intellektuellenfamilien der DDR sowie in die Entstehungsgeschichte ihres Weltbestsellers „Kairos“. Ihre Erlebnisse in den USA, die gerade einen Verlust aller politischen Gewissheiten erleben, weckten in ihr Erinnerungen an das Ende der DDR. Über das spannende Gespräch berichteten nicht nur regionale Medien, sondern auch die FAZ und die taz.
Am Donnerstag folgten die nächsten Höhepunkte: Den traditionellen Lyrik-Parcours gestalteten diesmal Daniela Danz und Nail Doğan zu Musik von Marieluise Herrmann. Jonas Lüscher präsentierte seinen anspruchsvollen Roman „Verzauberte Vorbestimmung“ über das Verhältnis zwischen Menschen und Maschinen in einem erhellenden Gespräch mit dem Literaturkritiker Andreas Platthaus. Kristine Bilkau, die Gewinnerin des Preises der Leipziger Buchmesse 2025, stellte im Gespräch mit Katrin Schumacher vom MDR ihren Roman „Halbinsel“ vor. Der Tag endete mit Raoul Schrott und seinem monumentalen Buchprojekt „Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit“. Der ebenso hochgebildete wie humorvolle Vortrag begeisterte das Publikum.
Am Freitag war erstmals eine Autorin aus dem angesagten Genre New Adult bei Literatur JETZT! auf der Bühne. Die bisher vor allem als Bookfluencerin bekannte Joana June las aus ihrem Debütroman „Bestie“. Für Stürme des Lachens sorgte derweil der Berliner Schriftsteller Jakob Hein, der seinen komischen Roman „Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste“ über das fiktive Kifferparadies DDR fast schauspielerisch zum Leben erweckte. Es moderierte Caro Korneli. Auch um den Osten, aber ein wenig ernsthafter, ging es im Anschluss, als der Band „Extremwetterlagen“ bei Literatur JETZT! seine Deutschland-Premiere feierte. Alexander Leistner, Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault lasen Passagen aus ihren Reportagen über die ostdeutsche Provinz und diskutierten mit Moderator Michael Bittner das Überleben und den politischen Missbrauch der ostdeutschen Identität. Durchaus politisch ging es auch bei der anschließenden „Pop und Poesie-Show“ zu. Kein Wunder, denn Nicole „Neitschl“ Hoyer und Falk Töpfer hatten sich diesmal mit Afrob und Sookee zwei kritische Geister eingeladen. Die Musik und der Spaß kamen aber auch nicht zu kurz. Wir tanzten danach bei der Festivalparty mit dem DJ-Team 3F in den frühen Morgen.
Auch der Festivalsamstag begann politisch. Mit Raphaëlle Red und Lene Albrecht und ihren aktuellen Romanen reisten wir nach Togo und tief in die deutsche Kolonialgeschichte. Wie sehr die immer noch in unsere Gegenwart wirkt, wurde beim klugen Bühnengespräche mit Moderator Ludwig Lohmann deutlich. Julia Schoch präsentierte ihren Roman „Wild nach einem wilden Traum“, den Abschluss ihrer Trilogie „Biografie einer Frau“. Im Gespräch mit Helge Pfannenschmidt ging es unter anderem um die Sinngebung durch das Erzählen und den Mut, den es erfordert, sich für die Liebe zu entscheiden. Fast ausverkauft war die anschließende Lesung von Thomas Melle aus „Haus zur Sonne“. Obwohl es immer wieder um Manie und Depression sowie die Schäden ging, die beide anrichten, gelang es dem Autor im Gespräch mit Tobi Müller, dem Publikum trotz aller Tragik auch Lachen zu entlocken. Das Gegenstück dazu war der anschließende Live-Comic von storytelling engines: Laut, wild und bunt präsentierte das Theaterkollektiv „Ich fühl’s nicht“ von Liv Strömquist auf der Bühne.
Beim Familiensonntag Literatur FETZT! begrüßten wir schließlich Kirsten Fuchs („Der Miesepups fährt in die Stadt“), Leslie Niemöller („Die Gurkentruppe“), Kathrin Rohmann („Der Geräuschehändler“), Jutta Nymphius („Ihr geht mir auf den Geist“), Sarah Welk („FREI. Bester Sommer“), Carl-Christian Elze („William und der Fliegenkönig“), Franziska Biermann („Herr Fuchs mag Po-esie“), Halina Kirschner („Wilde Radtour mit Velociraptorin“), Lisa Krusche („Wie der seltsamste Traum“) und Raschid Daniel Sidgi („Figarinos Fahrradladen“). Das bunte Programm wurde von über 120 Familien besucht und war damit so erfolgreich wie noch nie.
Wir danken herzlich allen Mitwirkenden, allen Besucher:innen, dem Team des Zentralwerks und unseren Förderern: der Landeshauptstadt Dresden, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung der Commerzbank und der Ostsächsischen Sparkasse sowie dem Societaetstheater, der scheune Dresden, den Städtischen Bibliotheken Dresden, dem Sächsischen Literaturrat, teilAuto und dem mdr Kultur. Das Organisationsteam des Literatur JETZT! e.V. plant, in Zusammenarbeit mit dem Zentralwerk, das 18. Festival vom 23. bis 27. September 2026 stattfinden zu lassen.
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Am 12. August 2024 wurde unserem Literatur JETZT! e.V. von Oberbürgermeister Dirk Hilbert der Förderpreis der Landeshauptstadt Dresden verliehen. Wir freuen uns sehr, dass uns damit auch offiziell noch einmal bestätigt wird, dass wir auf dem richtigen Weg sind, mit einem Literaturfestival, das verbinden und möglichst vielen Menschen den Zugang zum geschriebenen Wort ermöglichen will. Denn Literatur ist mächtig. Wir können lesend viele verschiedene Perspektiven einnehmen, unser dunkelstes Selbst erkunden, die Welt verstehen oder von einer besseren träumen.
Aus der Begründung der Jury: „Das Literatur Jetzt Festival ist seit 2007 ein wiederkehrendes Highlight im Literaturkalender der Stadt. Das Festival widmet sich der zeitgenössischen Literatur und zeigt deren Möglichkeitsräume, Themen und Deutungen in vielfältigen Formaten. Das Festivalprogramm, das Belletristik, Lyrik, Sachbücher, Kinderbücher, Lesungen und Diskussionen umfasst, feiert Literatur in all ihren Facetten, bleibt aber in seinen Grenzen immer fließend und lässt Freiraum für andere Kunstsparten. Das selbstgesteckte Ziel, Bindeglied zwischen literarischer Subkultur und etablierter Literaturszene zu sein, meistern die Organisatoren mit Beharrlichkeit und Mut. Die Entwicklung des Literaturfestivals in den vergangenen Jahren ist in erheblichem Maße auf die bemerkenswerte Zusammenarbeit von professionellen Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, die sich ehrenamtlich engagieren, zurückzuführen. Das Organisationsteam, das seine exzellenten Fähigkeiten und seine Leidenschaft für Literatur einbringt, hat dem Festival nicht nur einen unvergleichlichen Charakter verliehen, sondern auch zur signifikanten Steigerung seiner Beliebtheit und Wirkung geführt und trägt damit nachhaltig zur kulturellen Entwicklung der Stadt Dresden bei.“
Die Laudatio für uns sprach Dr. Katrin Schumacher vom MDR – hier ein Auszug: „Ich freue mich, diesen meinen Augenblick hier zu haben, um die glückliche Hand des Festivalteams aus ganzem Herzen zu feiern und beglückwünschen, ein Festival, das seit 2007 stetig wächst, und das ich in so vielen Rollen kenne — als Moderatorin, als Journalistin, als selbst lesende Autorin und am allerglücklichsten als Besucherin.“

